Was ist Indianerarbeit im Gemeindejugendwerk des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland?

Ehrenamtliche Mitarbeiter des GJW bieten Kindern von Strafgefangenen eine Woche kostenlose Ferienfreizeit in einem Zeltlager mit dem Aktionsthema: Indianerleben.

 

Warum diese Arbeit?

Laut Statistik verbüßen durchschnittlich etwa 1700 Gefangene ihre Strafe in den Justizvollzugsanstalten in Sachsen-Anhalt. Davon sind direkt und indirekt auch ihre Familienangehörigen betroffen. Besonders die Kinder leiden unter der Abwesenheit eines Elternteils und in vielfacher Weise unter der familiären Situation, sei es durch ständige Verheimlichung oder durch Stigmatisierung im Lebensumfeld. An diese, in unserer Gesellschaft häufig vergessenen und benachteiligten Kinder und ihre Familien richtet sich dieses Angebot.

1989 entstand in NRW die Idee, ein Indianercamp für Kinder von Strafgefangenen durchzuführen: Eine Woche Urlaub haben und als kleiner Indianer den Alltag hinter sich lassen, eine Woche spielen, Neues lernen, basteln und werken. Das Konzept erwies sich als geeignet und entwickelte sich. Seit 1995 werden auch in Hessen Indianerfreizeiten angeboten, 1997 stieg das Gemeindejugendwerk Sachsen in diese Arbeit ein. 2009 begann das Gemeindejugendwerk Bayern als vierter Träger mit der Durchführung von Indianerfreizeiten und seit 2015 bietet auch das Gemeindejugendwerk im Regionalverband Nordostniedersachsen / Sachsen-Anhalt (NOSA) eine Freizeit für diese Kinder an.

Das Programm ist bewusst mit christlichen Inhalten konzipiert. Uns ist wichtig, die Interessen und Fähigkeiten der Kinder zu fördern, ihr Selbstwertgefühl zu stärken und ihnen Werte zu vermitteln, die in ihrem Umfeld oft nicht vermittelt werden: Achtung vor Anderen, Konfliktlösungsmodelle mit Interessensausgleich und die Hoffnung, dass sich Bemühungen um die Erreichung von Zielen lohnen.

Durch einen hohen Mitarbeiterschlüssel gelingt es, viel Zeit mit dem einzelnen Kind zu verbringen. Eine feste Tagesstruktur und die persönliche Betreuung durch je 2 Kleigruppenbetreuer gibt vielen Kindern Stabilität und Sicherheit, die sie sonst vermissen.

 

So erreichen wir die Teilnehmer

Die Gefängnisse werden angeschrieben und bekommen Plakate und Einladungsflyer zur Weitergabe an die Inhaftierten. So werden die Inhaftierten über das Angebot informiert und haben die Möglichkeit, ihr Kind anzumelden. Daneben bemühen wir uns, über Sozialarbeiter bei den Landkreisen und bei den im Landesverband für Resozialisierung und Kriminalprävention verbundenen Trägern Familien zu erreichen, denen dieses Angebot gilt. Der Kontakt zu Gefängnisseelsorgern konnte Im Frühjahr 2016 hergestellt werden.

Nach persönlicher Information der Justizministerin Frau Prof. Dr. Kolb und dem Staatsministers Herrn Robra im Sommer 2015 konnte Anfang 2016 der persönliche Kontakt zum og. Landesverband LRK hergestellt werden und das Projekt in einer Erstinformation auch den Sozialarbeitern der Gliederungen des Landesverbandes vorgestellt werden. Es besteht die Hoffnung, dass mit diesem Kontakt und dem übereinstimmenden Interesse auf diesem Wege zunehmend mehr Familien und deren Kinder erreicht werden können.

Um die Kinder auch dann weiter zu begleiten, wenn der Elternteil aus dem Gefängnis entlassen wurde, bekommen die Kinder, die bereits teilgenommen haben, die Einladungen direkt nach Hause geschickt und dürfen auch weiter das Camp besuchen.

 

Vorbereitung der ehrenamtlichen Mitarbeiter

Alle Mitarbeiter sind ehrenamtlich engagierte Menschen, zum Teil mit langer Erfahrung in der Kinder- und Jugendarbeit, jüngere Menschen im Studium oder mit einem Abschluss der sozialen Arbeit.
Die Mitgliedschaft in einer Kirche ist nicht Voraussetzung für die Mitarbeit, eine Übereinstimmung mit den genannten Zielen wird erwartet.

Die Vorbereitung der Lager besteht aus 3 Wochenendseminaren mit den Schwerpunkten der organisatorischen und inhaltlichen Durchführung des Lagers und einer Schulung zu den Fragen des Kindeswohles und des Kinderschutzes sowie des Umgangs mit den Kindern in ihren speziellen Lebenslagen. Diese vorbereitenden Seminare gehören zum Standard der Indianerlager. Auch für eine medizinische Notfallversorgung während des Lagers ist gesorgt.

 

Finanzen

Wichtig: für die Kinder ist diese Indianerfreizeit kostenfrei

Die Indianerarbeit wird ausschließlich durch Spenden finanziert. Einzelpersonen, Betriebe, Kinder- und Jugendgruppen sowie die unterschiedlichsten kirchlichen Gruppen und Gemeinden können dieses Anliegen unterstützen. Neben einer Vielzahl von Einzelspenden konnte im Jahr 2016 eine große Projektförderung aus einem Projektfonds der Veolia-Stiftung beantragt und gewonnen werden. Mit diesem Geldbetrag konnten 15 Zelte für das Zeltlager erworben werden, die sich schon im Selketal bewährt haben.

Die Mitarbeiter finanzieren ihre Anreisen zu den Vorbereitungsseminaren und zum Lager selbst und erhalten keine Aufwandsentschädigungen. Lediglich die Unterkunft (im Zelt) und die Verpflegung werden aus dem Lagerbudget finanziert.

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