Nachdem das erste Indianerlager in Sachsen-Anhalt im August 2015 aus Anlaufgründen im Freizeithaus ARCHE in Wernigerode stattfand, fand das zweite Lager planmäßig als Zeltlager auf dem Platz der Pfadfinderschaft Ostharz im Selketal statt. Der angemietete Platz verfügt über eine vollständige sanitäre Infrastruktur und Küchenausstattung sowie Räume für Zusammenkünfte bei sehr schlechtem Wetter, aber auch Sanitätsraum und Nebenräume zur Nutzung. Damit sind die technischen Voraussetzungen für eine gesicherte Durchführung gegeben. Das Lagergelände selbst bietet großzügige Flächen für die Unterkunftszelte, Versorgungs- und Essenzelt sowie Feuerstelle und große Freiflächen für Spiel und Sportangebote. Die Lage im Selketal, unmittelbar an der Selke bietet beste Voraussetzung für vielfältige Freizeitangebote in geschützter Lage. Der fehlende Internetempfang auf dem Platz und im näheren Umfeld erweist sich für das Lager als sehr förderlich.

Am zweiten Indianercamp nahmen 12 Kinder aus Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Niedersachsen im Alter von 7 bis 13 Jahren teil. Sie wurden im Lager von insgesamt 21 ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen betreut und versorgt. Wegen Terminüberschneidungen konnten leider einige in Kinderheimen lebende bisherige Indianerkinder 2016 nicht teilnehmen. 

Die Kinder waren in kleinen Gruppen in den Zelten untergebracht und wurden jeweils durch 2 feste durch feste Gruppenbetreuer begleitet. So konnten sich intensive persönliche Beziehungen entwickeln. Vielfältige Spiel-, Bewegungs - und Beschäftigungsangebote wurden von den Kindern gut angenommen. Insbesondere Spiel am oder im Wasser hatte für die Kinder einen besonderen Reiz und wurde ausgiebig und mit viel Ausdauer betrieben. Die Kids entwickelten in der Woche bemerkenswerte kreative Ideen und Geschicklichkeit bei deren Verwirklichung.

Wegen der geringeren Zahl an Teilehmern war die Atmosphäre insbesondere in der 2.Phase des Lagers deutlich entspannter als 2015. Die Atmosphäre war nach einer wieder völlig entspannten Kennenlernphase dann zwar auch von den erwarteten Spannungen zwischen den Kindern in der Konkurrenz um Anerkennung, Zuwendung und materiellen Vorteil geprägt. Durch Zuwendung, Arbeit an den Konflikten und gemeinsame Aktivitäten gelang es aber diese zu neutralisieren und produktiv zu machen.

Am Abschlussabend mit Talente-Fest und Feuershow zeigten sich die Früchte dieser Woche in vielen Zeichen der Dankbarkeit von den Kindern, verbunden mit der Hoffnung, wieder dabei sein zu können.
Deutlich wurde auch der Persönlichkeitsgewinn, der bei vielen Kindern in ihren Beiträgen zum Talente-Fest sichtbar wurde. Zwei Kinder mussten verabschiedet werden, weil sie in den nächsten Monaten die Altersgrenze überschreiten. Sie werden das Angebot haben, in Sachsen an einer Teeniefreizeit teilzunehmen. Rückmeldungen von Betreuern und Kinderheimen nach Ende des Indianercamps signalisieren den Gewinn des Indianercamps für die beteiligten Kinder.

 

Ausblick:

Im Jahr 2017 wird das Indianerlager in der Zeit vom 30.Juni bis 6.Juli 2017 wiederum im Pfadfinderzentrum Ostharz im Selketal bei Mägdesprung als Zeltlager stattfinden. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits im Herbst 2016 an. Im Mittelpunkt steht dabei wieder die Vorbereitung der Mitarbeiter, von denen die Mehrzahl wieder mitarbeiten wird. Auch die Suche nach Sponsoren bleibt eine Daueraufgabe um die Grundkosten von ca. 7.000 € pro Lager abdecken zu können (ohne Investitionen).

Mit dem Ausbau der Verbindungen zum Landesverband für Kriminalprävention und Resozialisierung und den Sozialämtern der Landkreise sowie den Gefängnisseelsorgern besteht die begründete Erwartung, dass eine größere Zahl von Kindern für 2017 angemeldet wird. Der Bedarf wird von allen Beteiligten gesehen. Am 18.08.2016 konnte das Projekt auch der Ministerin für Justiz und Gleichstellung, Frau Keding vorgestellt werden, verbunden mit der Bitte um wohlwollende Begleitung.

In Sachsen hat sich dieser Arbeitszweig so weiter entwickelt, dass auch während des Jahres Familientreffen angeboten werden und Kontakte auch zu den Elternhäusern aufgebaut werden. Derzeit halten Mitarbeiter mit Briefen zu besonderen Anlässen (Weihnachten, Geburtstag) Kontakt zu den Kindern. Weitergehende Angebote sind auch wegen der weiten Verteilung der Kinder derzeit in Sachsen-Anhalt noch nicht möglich.

 

Anliegen:

Wir sind sehr daran interessiert, mehr Kindern aus Sachsen Anhalt die Möglichkeit zu bieten, an unserem Indianerlager teilzunehmen. Deshalb bitten wir alle mit diesem Thema befassten Institutionen und Verbände um die Unterstützung und Vermittlung von Kontakten zu Eltern und Betreuern von Familien in der Straffälligenhilfe.

 

 

Hans-Joachim Schwan
Projektleiter Indianerarbeit Sachsen-Anhalt
im GJW NOS